Unsere Kostüme

"Do sühs jo uss wie ene Böschräuber!"

Was aus dem Mund einer Mutter eher als Tadel für ihr Kind zu verstehen wäre, ist für uns ein Kompliment: Auszusehen wie ein echter "Buschräuber", das ist nämlich gar nicht so leicht und verrät auch eine ganz eigene Einstellung zu Karneval und Frohsinn. Eine gehörige Portion Lust am Verkleiden gehört schon dazu, viel Zeit und etwas Phantasie können auch nicht schaden. Die Eitelkeit allerdings sollte man lieber gleich im Koffer lassen, denn mit Glitter, militärischen Uniformen und Ehrenzeichen, festlicher Eleganz und aufreizendem Sexappeal hat unsere Art des Karnevals nichts zu tun.

 

Wer als Frau bei der Kostümwahl eher auf durchgestyltes Make-Up, nackte Haut und glitzernde Betonung der eigenen körperlichen Vorzüge Wert legt, ist unter Knochenketten und schwarzer Schminke schlecht aufgehoben. Und besonders als Mann sollte man sich gut überlegen, ob das eigene Ego karnevalistisch stark genug ist, um sich im Baströckchen wohlzufühlen.

 

Andererseits, um mal ein Klischee auszupacken, dürfte es (soweit der Autor als Mann das beurteilen kann) für die Frauen weniger schwer sein, denn welche Frau möchte nicht gerne mit soviel Pelz und Perlenketten behangen werden? (Ok, fünf Euro in die Machokasse für diesen nicht ernst gemeinten Text, dann vergessen wir die Zeile).

 

Die Ursprünge

Ein Völkerkundler, der versucht, die Böschräuber anhand ihrer Kostüme einem bestimmten Kulturkreis zuzuordnen, dürfte ohne die beruhigende Wirkung von zwei großen Kölsch wohl schnell verzweifeln. Ganz bewusst verzichten wir darauf, einen ganz speziellen Volksstamm so präzise und historisch korrekt wie möglich nachzuleben. Helm ab aus Respekt vor unseren Freunden, den Hunnen, Römern, Wikingern und all den sonstigen Stämmen, die sich unglaubliche Mühe mit der Authentizität der Kostüme und Lebensweise geben: Dazu sind wir zu faul, sorry.

 

Wir wollen nur so bunt, wild und unkenntlich wie möglich sein, und dazu bedienen wir uns kackfrech auf sämtlichen Kontinenten: Viel Afrika (offensichtlich), eine gehörige Portion Asien, ein Schuss australischer Aborigines, dazu eine Prise südamerikanische Folklore und nordamerikanische Indianertradition - bis auf die Antarktis dürfte so etwa jede Region vertreten sein.

 

Vom Thaimuster auf dem Stoff bis zur indonesischen Halskette, vom australischen Steinring über Kaurimuscheln aus der Südsee bis zu Navajo-Traumfängern oder nachempfundenen Azteken-Armreifen, von indischem Halsschmuck über tibetanische Yak-Hörner bis zu Hühnerfedern von Tante Elfriedes Eierhof in der Eifel: Böschräuber sind wahre Weltbürger, wenn es um die Wahl ihrer Kostümelemente geht.

 

Jetzt verstehen Sie auch sicher, warum wir immer nur weise lächeln, wenn wir wieder mal die Frage hören "Ach, ich sehe, Sie ahmen den Stamm der Utuluapungu aus dem nördlichen Ghana nach! Wie schön, da hab ich auch mal zwei Monate gelebt... aber sind Sie sicher, dass das Wikingertrinkhorn authentisch ist?"

 


Der Schmuck

Böschräuber lieben Schmuck. Besonders Holz- und Glasperlen, Folkloreschmuck, Federn und Knochen, als Armreifen, Ketten, Kopfschmuck, Verzierung für die Brust oder den Schild, am Gürtel oder am Speer. Also eigentlich überall. Hauptsache viel.

 

Andererseits sind Böschräuber aber auch wählerisch. Denn wenn man schon ein bis zwei Kilo Schmuck den ganzen Rosenmontagszug entlang trägt, dann soll er das ja wenigstens wert sein. Also nicht im Sinne von "wertvoll", sondern im Sinne von "schön genug, dass man sich damit kilometerweit abschleppt".

 

Vieles von unserem Schmuck haben wir eher zufällig entdeckt. Bei Auslandsreisen etwa; es halten sich beispielsweise hartnäckige Gerüchte, dass unser Präsident gar nicht von Berufs wegen so oft und weit reisen muss, sondern das freiwillig tut, um möglichst ausgefallene Schmuckstücke aus Burma oder Nepal mitzubringen. Manches bekommt man inzwischen auch auf Afrikaflohmärkten, aber auch bei eBay oder anderen Internetquellen; Knochen, Felle oder Tierschädel werden dort beispielsweise oft angeboten.

 

Aber auch, wenn der eine oder andere gerne einen echten Wolfspelz als Helm hätte: Wir halten uns bei all unseren Kostümen immer streng an den Artenschutz. Geschützte Tierarten für ein Karnevalskostüm auszurotten wäre schließlich alles andere als lustig, da hört der Spaß auf.

 

Und natürlich gibt es auch beim Schmuck einige Böschräuber, die lieber selbstgemachte Unikate hätten und sich dafür die Mühe machen, etwa Bänder aus Perlenstickerei oder -weberei selber anzufertigen. Da werden eigene Entwürfe am Perlenwebstuhl zu ganz persönlichen Schmuckstücken...

 

Die Schminke

Es war nicht immer Schwarz. Zu Urzeiten der Böschräuber gab es auch knallbunt geschminkte Gesichter, die jedem Clown Ehre gemacht hätte. Inzwischen aber hat sich die tiefschwarze Gesichtsfarbe zu einem der verbindenden Elemente der Böschräuber-Kostümierung gemausert. Nicht durch "Präsidentenerlass" oder sonstige (pfui!) Vorschriften, sondern weil es sich einfach so ergeben hat: "Irjenswie schwatz em Jeseech met Fell un Bastjefummels" - so die professionelle Beschreibung des typischen Böschräuberkostüms.

 

Andererseits wird auch kaum jemand von uns leugnen, dass nicht nur das gaaaanz vorsichtige Kratzen, wenn mal die Nase juckt, oder das Schweißabwischen unter dem doch recht schweren Kostümen etwas umständlich ist, auch das ständige Schminken und Abschminken gehört zu den lästigeren Aspekten des Böschräuberdaseins. Aber wer tagsüber schwarz im Gesicht sein will und nachts nicht das Kopfkissen und den Ehepartner einfärben möchte, dem bleibt diese Prozedur nun mal nicht erspart. Dafür hinterlässt man aber auch einen deutlichen Eindruck beim Bützen!

 

Die gute Nachricht: An Mustern und Ideen mangelt es nicht, und auch hier gibt es keinerlei "Vereinsschminkvorschriften". Ob dezente geometrische Figuren, mehrfarbige Kriegsbemalung oder an afrikanische Masken angelehnte Schwarzweißmuster, das entscheidet alleine der Geschmack und der Inhalt des Schminkkästchens.

 


Die Helme

Der Versuch, einen Böschräuberhelm mal eben im Laden fertig zu kaufen, scheitert meist schon daran, dass man keinen Laden findet. Denn selbst der Karnevalsgroßhandel und die spezialisierten Kostümgeschäfte müssen passen, wenn es um eine angemessene Kopfbedeckung für einen Böschräuber geht. Die beiden einzigen Lieferanten heißen "Phantasie" und "Handarbeit".

 

Und davon darf erstere sich austoben, soweit die letztere mitspielt: Erlaubt ist, was gefällt und machbar ist. Vom Federnschmuck, der einen waschechten Apachenhäuptling vor Neid erblassen lassen würde, über Pelzmützen, die selbst in Sibirien ihresgleichen suchen, bis hin zu Muschelschmuck, Perlenträumen und Tierschädeln packt sich der echte Böschräuber so ziemlich alles auf den Kopf, was ihm nicht nach zwei Kilometern Zugweg das Genick bricht.

 

Aber es wird andererseits auch niemand schief angeguckt, wenn er mal keine Lust zum Basteln hat oder der schwere Helm partout nicht zum heutigen Kater passt: Dann sind Rastalöckchen oder ein phantasievolles Kopftuch ein vollwertiger Ersatz. Schließlich soll das Ganze niemals zum Zwang oder zur Qual ausarten, sondern Spaß machen. Das ist und bleibt Regel Nr. 1 (eigentlich auch so ungefähr die einzige strikte Regel).

 

Der Bastrock

Zum Bastrock - bei den meisten von uns wichtiger Bestandteil des Kostüms - gibt es zwei unterschiedliche "Philosophien". Die einen schwören auf fertig gekaufte Röcke aus dem Laden. Diese Kleidungsstücke sind aus schwach glänzendem Kunst-Bast, leicht zu ersetzen und vor allem - ein wichtiger Punkt im Straßenkarneval - unbrennbar.

 

Die anderen sehen die Sache eher puristisch, schwören auf den reinen Naturbast (der entschieden besser aussieht als der Kunststoff) und nehmen dafür in Kauf, dass sie ihren Rock dann selber flechten müssen. Der Vorteil hier: Man kann den Rock auf Maß fertigen, den Bast färben, Kaurimuscheln mit einflechten und generell seiner Phantasie wieder mal freien Lauf lassen. Außerdem bleibt immer noch etwas Bast übrig für den Helm, die Handgelenke, die Knöchel...

 

Allerdings sind diese unterschiedlichen Philosophien bei uns noch nie in einen "Plastik statt Jute"-Glaubenskrieg ausgeartet. Wie bei fast allen Fragen gilt auch hier das urkölsche Toleranzmotto: Jeder Jeck ist anders, und das ist auch gut so.


Das Kölschglas

Die typische 0,2-Liter-Kölschstange ist häufiges, aber optionales Requisit des Böschräuberkostüms. Niemand muss mittrinken, aber die Einladungen etwa am Zugwegesrand sind doch schon vielfältig. Da ist der oft gesehene Halsketten-Kölschglashalter schon sehr praktisch, erlaubt er doch das Mitführen des goldgelben Getränks auch bei anderweitig belegten Händen, etwa in den häufigen Situationen, wenn man dank Schild, Speer, Wurfmaterial, Trommel oder Bützchenpartner gerade keine Hand frei hat.

 

Für den kleineren feuchten Plausch zwischendurch oder das zünftige Bruderschaftstrinken mit ähnlich Gesinnten wird auch das Trinkhorn immer beliebter, gelegentlich aus Kunststoff, meist aber als gründlich gereinigtes und behandeltes Originalhorn. Ein Tipp für Nachahmer: Als Halter dafür eignen sich Hammer-Gürtelschlaufen aus dem Baumarkt ganz ausgezeichnet. Ansonsten ist die Halterung auch nichts, was man mit einem alten Ledergürtel und einer Nietzange nicht selbst hinbekäme. Perlenverzierung nach Wunsch.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Texte von

Rolf Busch